Ich habe heute leider kein Foto für dich…

1 05 2009
Germanys next Topmodel

Jeden Donnerstag Abend 20.15 Uhr sitzen Millionen Deutsche vor dem Fernseher. Alle wollen nur eines wissen: Welche stellt sich gut an, welche ist tollpatschig, welche ist zickig, welche schüchtern, welche ist einfach nett, welche ist arrogant und vor allem: Welche ist raus?

Ja, es geht um „Germany’s next Topmodel – by Heidi Klum“ und seine Derivate.

Der Erfolg der Casting-Shows bleibt in Deutschland ungebrochen: „Deutschland sucht den Superstar“, „Das Supertalent“ und „Germany’s next Topmodel – by Heidi Klum“ sorgen trotz bekanntem und wenig abwechslungsreichem Format immer wieder für hohe Einschaltquoten. Wer ehrlich ist, wird sich schnell eingestehen, dass die Anziehungskraft solcher Shows nicht an Themen wie „Superstar“, Supertalent“ oder „Topmodel“ hängt. Nein, vielmehr geht es, und das haben alle Shows gemeinsam, um die Kandidaten und nicht zu vergessen um die Juroren.

Wer nun in den „Recall“ kommt oder ein „Challenge“ gewinnt ist dabei eigentlich nur nebensächlich. Was den Fernsehzuschauer interessiert, ist die oftmals ins lächerliche gezogene Aufgabe der Kandidaten und die Kritik der Juroren, ohne welche das 0815-Format ohnehin nicht tragbar wäre. Denn wer schmiegt sich nicht gerne in den gemütlich warmen Fernsehsessel während ein Kandidat eine Abfuhr von Dieter Bohlen bekommt, oder vor laufender Kamera in einer Eishöhle im Bikini „geshootet“ wird? Das Gerechtigkeitsempfinden des Zuschauers wird befriedigt: „Ich habe zwar keine so schöne Stimme wie der Kandidat, aber dafür muss ich mir auch nicht vor laufender Kamera anhören, was ich alles falsch mache“ oder „Ich sehe zwar nicht so gut aus wie die Kandidatin, aber dafür habe ich einen besseren Charakter und würde nicht dauernd vor der Kamera heulen“. Unterstützt wird dieses Empfinden durch absurde Aufgaben, die letztendlich herzlich wenig mit einem Modeldasein zu tun haben oder durch fiese Kritik, wie sie ein gestandener Musiker niemals akzeptieren würde.

Denn zu dieser sind die Hauptakteure, Heidi Klum und Dieter Bohlen, immer bereit. Kritisch betrachtet stellt sich nur die Frage, mit welcher Begründung Heidi Klum, die nach offizieller Bekanntgabe ihrer Schwangerschaft bei immer mehr Aufgaben und „Challenges“ fehlt, trotzdem bei der Entscheidung mitwirken und dort auch noch die Hauptrolle spielen darf. So konnte sie beispielsweise trotz ihrer Abwesenheit feststellen, dass es der Kandidatin eindeutig keinen Spaß gemacht und sie dies auch während des „Challenges“ gesehen hatte.

Die Musik wird bedrohlich. Die Mienen der Juroren werden kalt. Es folgt eine lange Pause. Verloren und alleine steht ein schluchzendes Mädchen im Mittelpunkt von Fernsehzuschauern, die sich die Hände reiben oder selbst mit den Tränen kämpfen. Stunden scheinen zu vergehen, bis sich Germany’s Topmodel No.1 dazu entscheidet die Spannung zu brechen: „Ich habe heute leider kein Foto für dich…”

Für die Kandidatin und noch vielmehr für die Zuschauer ein herber Schicksalsschlag, denn schließlich scheint ihr Traum vom Modeln vorbei zu sein. Doch weit gefehlt: Die letzten 25 Mädchen von „Germany’s next Topmodel“ haben alle einen Vertrag bei der „Heidi Klum GmbH“. Ebenso sucht die „DSDS-Agentur“ für die letzten Kandidaten Aufträge, die sie dann drei Monate nach dem Finale annehmen können. So lange und nicht länger hält nämlich der Erfolg des Gewinners oder der Gewinnerin.

Diese Woche musste Ira gehen. Welche Kandidatin hat nächste Woche kein Foto? Eines ist sicher: Heidi Klum wird es uns gerne wieder auf unschöne Art spannend machen … mit einem unschuldigen, mädchenhaften Lächeln auf den Lippen.


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